„Vom Winde verweht“: Der Merkurtransit am 11.11.2019

Bericht von Bernd Koch

Unter diesem Motto stand der gestrige Merkurtransit. Dicke Winterkleidung war nötig, um dem kalten Wintersturm oben auf dem Dach unserer Sternwarte zu trotzen.

Adrian Groh (Projektkurs Astronomie, Q1) und Bernd Koch. Foto: Stefan Korth

Gesehen haben wir vom Transit natürlich nichts, die Wolkendecke war zu dicht. Dennoch ein schönes Ereignis, da uns einige Sternfreunde besuchten und wir uns austauschen konnten.
Ein ganz besonderer Dank geht an Adrian (Q1), und die externen Besucher Tilo (Wuppertal) und Stefan (Meerbusch), die bei Auf- und Abbau tatkräftig mithalfen. Durch das C11 fotografierte Stefan Korth mit seinem Smartphone die Kuppel des Bismarckturms der Volkssternwarte Remscheid in 6 km Entfernung (Luftlinie). Es sind zwei Besucher auf dem Catwalk rund um die Sternwarte zu erkennen.

Kuppel der Volkssternwarte Remscheid auf dem Bismarckturm, Luftlinie 6 Kilometer entfernt. Zwei Besucher sind auf dem Catwalk zu erkennen. Aufnahme mit Smartphone durch das C11-Teleskop. Foto: Stefan Korth


In Station 7 haben alle Besucher und die SuS der Astro AG der Stufe 5 den Transit im Livestream gesehen und vom Schirm abfotografieren können. Immerhin war es um Stuttgart herum, in Sachsen und natürlich auf den Kanarischen Inseln klar, so dass eine stundenlange Liveübertragung möglich war.

Gebannt verfolgen die Schüler/innen der Astro AG der Klassenstufe 5 den Merkurtransit im Livestream. Foto: Bernd Koch

Parallel zur Veranstaltung an der Sternwarte referierte Michael Winkhaus im AstroRaum 327 über das Thema Merkurtransit.

Sehen wir uns (spätestens) beim nächsten Merkurtransit? Laut Wikipedia und STELLARIUM findet dieser in 13 Jahren am 13. November 2032 statt, zwischen 7.41 und 12.07 MEZ, also bei gutem Wetter beobachtbar ab Sonnenaufgang über der Sternwarte.

Viele Grüße an alle Besucher und bis demnächst ….
Bernd Koch

Vorankündigung des Merkurtransits vom 11.11.2019

Am 11.11.2019 um 13.35 MEZ beginnt ein spektakuläres Ereignis: Planet Merkur beginnt seinen Transit über die Sonnenoberfläche und wird als winzig kleines, pechschwarzes Scheibchen vor der Sonne vorbeiziehen. Bei einigermaßen klarem Himmel kann das Ereignis durch unsere Teleskope der Sternwarte bis zum Sonnennuntergang so gegen 16.40 MEZ beobachtet und fotografiert werden.

Animation zum Ablauf des Merkurtransits

Hinweis: Bitte schaut/schauen Sie nicht ohne Sonnenfilter oder Sonnenfinsternisbrille in die Sonne! Zudem ist Merkur ist zu klein, um mit dem bloßen Auge vor der Sonne gesehen zu werden.

Nur durch unsere Teleskope, die mit Sonnenfiltern geschützt sind, darf Merkur beobachtet werden.

Das letzte Ereignis dieser Art fand bei bestem Wetter am 9. Mai 2016 statt. Hier der Bericht:

Schüler aller Jahrgangstufen, Lehrer und Besucher konnten den letzten Merkureintritt unter besten Bedingungen beobachten und fotografieren. Die weiteste Anreise von mehr als 100km hatten als Gäste der Physiklehrer Dr. Georg Meinhardt nebst Schülerin seiner Astro AG vom Westerwald-Gymnasium Altenkirchen und Peter Stinner, ehemaliger Physiklehrer und Leiter der Astro AG des Kopernikus-Gymnasiums, Wissen/Sieg. Die Stimmung war trotz zunehmender Wolkenbedeckung, die einen Blick auf den Austritt verhinderte, hervorragend: Der Merkurtransit war das bisherige Highlight in 2016. Der Die lokale Presse war anwesend.

Am Schülerlabor Astronomie des Carl-Fuhlrott Gymnasiums, Wuppertal-Küllenhahn/Cronenberg wurden drei Stunden vor Beginn des Ereignisses unter der Leitung von Bernd Koch und tatkräfitger Unterstützung von Burhard Sirringhaus, Master-Student der Bergischen Universität Wuppertal und Peter Stinner, alle sechs Beobachtungsinseln voll bestückt: Sechs mal C11 EdgeHD mit AstroSolar-Folie und sechs mal Pentax 75 mit SolarSpectrum 0,5A H-alpha Filter. Sowohl Beobachtung als auch Foto- und Videografie waren somit gleichzeitig möglich.

Beobachtung des Merkurtransits vor der Sonne 9.5.2016

Die Videos wurden mit AstroSolar Sonnenfilterfolie vor dem C11 und Solar Continuum Filter vor der Skyris 274M aufgenommen, das Stacking erfolgte, wie auch bei den H-alpha-Videos, mit Autostakkert! Bildschärfung mit Giotto-Software (Mexican-Hat-Filter), finale Nachbearbeitung mit Adobe Photoshop. Leider war in der Nähe des scheinbar 12,1 Bogensekunden großen Neumerkurs kein signifikanter Sonnenfleck zu sehen, deshalb wurde zum Größenvergleich ein Videoergebnis herangezogen, welches die Aktive Region 2542 zeigt. Man achte auf die körnige, granulare Struktur der Photosphäre, die insbeondere mit dem Solar Contnuum Filter gut sichtbar ist.

Merkurtransit 9.5.2016. Foto: Bernd Koch

Die Sonne mit einer Videokamera als ganzes zu erfassen, erfordert beim Pentax 75 mit 500mm Brennweite eine besondere Aufnahmeanordnung. Zwischen H-alpha-Filter und Pentax 75 wurde das Telezentrische System TZ-2 von Baader Planetarium eingesetzt, womit eine Gesamtbrennweite von 1000mm erzielt wurde. Um das geforderte Öffnungsverhältnis von ca. f/30 zu erreichen, wurde vor dem Energieschutzfilter D-ERF eine Blende mit 34mm Durchmesser platziert. Am Ausgang des H-alpha-Filters kam noch der Solar Reducer zum Einsatz, sowie eine variable Abstandshülse für den Anschluss der Videokamera. Damit konnte erreicht werden, dass die Sonne vollformatig auf dem Sensor der Skyris 274M erschien, mit ausreichend Platz für die Protuberanzen. Die Auflösung des Bildes entspricht also der eines Teleskops mit effektiv 34mm Öffnung. Diese Anordnung eignet sich insbesondere für ein Monitoring der Sonnenaktivität.

Die Sonne im H-alpha-Licht. Könnt ihr die winzig kleine, pechschwarze Scheibe Merkurs erkennen?

Mit dem Celestron 11 EdgeHD-Teleskop wurden im Laufe des Transits Aufnahmen und Videos bei 2,8m Brennweite angefertigt. Da sich das Seeing aufgrund von dichtem Wolkenaufzug am Nachmittag zunehmend verschlechterte, bot sich auch hier die Videografie an, um wenigstens die Chance auf ein paar gute „Lucky Images“ im Videostrom zu erhalten. Die Videoaufnahmen mit der monochromen Skyris 274M sind erwartungsgemäß deutlich besser gelungen als die Einzelbilder mit der Canon EOS-Kamera mit Farbmatrix.

Links neben Merkur ist am Sonnenrand eine kleine Protuberanz sichtbar.

Presseschau:

https://www.schuelerlabor-astronomie.de/wp-content/uploads/2019/04/Cronenberger-Woche-2016-05-13_14_Merkurtransit.pdf

https://www.schuelerlabor-astronomie.de/wp-content/uploads/2019/04/WZ-2016-05-10-Merkurtransit.pdf

Bericht von Bernd Koch, Carl-Fuhlrott-Gymnasium Wuppertal