Astronomie in Zeiten von Corona

Per Remote Control ad astra

von Bernd Koch

Die lateinische Redewendung Per aspera ad astraDurch das Raue zu den Sternen steht sinnbildlich für den schwierigen Weg, mit Gleichgesinnten gemeinsam astronomische Beobachtungen in Zeiten der Corona-Krise unter einer Kontaktsperre durchzuführen. Seneca beschreibt in seiner Tragödie Hercules furens (Der wildgewordene Herkules), wie wir Astronomen derzeit fühlen: Non est ad astra mollis e terris via, es ist kein bequemer Weg von der Erde zu den Sternen (Textquelle: Wikipedia).

Ruhende Astronomie am CFG Wuppertal: Auch nach der schrittweisen Öffnung der Schulen nach dem 20. April 2020 finden zunächst weder Astrokurse noch Himmelsbeobachtungen an der Sternwarte des Schülerlabors Astronomie statt. Wann es mit Kursen zur Astronomie am CFG weitergeht, geben wir zu gegebener Zeit hier auf der Webseite bekannt.

Was aber nicht heißt, dass die Astronomie stillsteht: Interessierte Schüler*innen des Projektkurses Astronomie am CFG und Studierende der Bergischen Universität Wuppertal haben nach Absprache die Möglichkeit, an der Privatsternwarte des Kursleiters Bernd Koch Aufnahmen und Messungen für ihre astronomischen Arbeiten anzufertigen: Per Remote Control (Fernsteuerung des Teleskops) ad astra (zu den Sternen) und nebenbei chatten via Skype.

Mit Beiträgen von:

Ein „neuer“ Stern in Galaxie M61: Die Supernova SN2020jfo

von Melina Anna Mitsakos, Gymnasium Wülfrath und AstroTreff am CFG

Vor 66 Millionen Jahren endete in der Galaxie M61 (NGC 4303) das Leben eines Sterns mit einer spektakulären Supernova. Am 06.05.2020 erreichte das bei der Supernova ausgesandte Licht die Erde und die Augen vieler Astronomen.

Wenn ein Stern sehr viel Masse hat und die Kernfusion in seinem Inneren nach einer bestimmten Zeit aufhört, fällt der dadurch entstandene, nach außen gerichtete Strahlungsdruck weg und der Stern zieht sich aufgrund seiner eigenen Gravitation (Schwerkraft) zusammen. Gerade der Kern wird dadurch sehr dicht, und wenn weiter Material auf den Kerns einstürzt, prallt dieses einfach am Kern ab. Es wird ins Weltall zurückgeschleudert und löst dabei noch eine Druckwelle aus, die das Material, das sich in den äußeren Schichten befindet, auch weiter nach außen schleudert. Bei einer Supernova wird unglaublich viel Energie freigesetzt, die man in Form von Licht beobachten kann. Eine Supernova kann zwischenzeitlich so hell wie eine ganze Galaxie scheinen, allerdings ist sie schon nach ein paar Wochen nicht mehr im sichtbaren Bereich des Lichtes zu sehen.

Schaut man sich Spektren der Supernova an, so kann man die blaue Farbe der Explosionswolke bestätigen. Diese muss richtig heiß sein und wird ihr Strahlungsmaximum weit im UV-Bereich haben.

„Am Freitag berichtete mir Herr Koch von der kürzlichen Entdeckung der Supernova SN2020jfo und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, davon eine Aufnahme zu machen, zumal ich kürzlich erst eine Facharbeit zu dem Thema Sternentwicklung geschrieben habe und mich natürlich brennend dafür interessiere.

Schnell war ein Termin ausgemacht und nur einen Tag später trafen wir uns bei einem Videoanruf über Jitsi und Herr Koch zeigte mir mithilfe der Remote-App AnyDesk, wie man Bilder mit dem Teleskop aufnehmen konnte. Er hatte natürlich vorher schon das Teleskop entsprechend vorbereitet, aber dennoch konnte ich etwas über die Steuerung von Teleskopen lernen, was ich vorher noch nie getan hatte. Das alles war sehr spannend für mich, und das Sahnehäubchen auf dem Ganzen war, dass ich mithilfe selbst aufgenommener Bilder die Supernova, die Galaxie und ihr Umfeld sehen konnte. Das lange Aufbleiben hat sich wirklich sehr gelohnt, und es war für mich eine tolle Erfahrung. Zwei Tage später trafen wir uns erneut zur Bildbearbeitung und Auswertung bei einem Videoanruf. Schließlich maßen wir noch die Helligkeit der intensiv blau erscheinenden und folglich sehr heißen Supernova, wobei wir auf einen Wert von 14,61mag kamen, den auch schon andere Astronomen gemessen haben.

Insgesamt war es ein unvergessliches Erlebnis und mein Dank gilt Herrn Koch, der mir dieses ermöglichte.“

Planetarische Nebel – Auch Sterne leben nicht ewig …

Ein erstes Angebot für teleskopische Fernsteuerungsmöglichkeiten nutzten Mitte März Ashraf Lutfi und Adrian Groh, beide im Projektkurs Astronomie Q1 von Bernd Koch. Sie begannen mit Ihren spektroskopischen Messungen sogenannter Planetarischer Nebel. Das sind „sterbende“ Sterne in der Endphase ihres stellaren Lebens, die sie als Weiße Zwerge mit umgebender abgestoßener Sternhülle beenden. In der Schönwetterperiode Mitte/Ende März 2020 wurden per Remote Control erste Daten für eine Forschungsarbeit gewonnen.

„Dass die Sternwarte des CFG aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie so plötzlich schließen musste, war aufgrund der kommenden wolkenlosen Nächte ersteinmal sehr schade. Wir hatten zwar das Glück, die kritischen Aufnahmen und Beobachtungen, welche wir für unsere Projektarbeit benötigen, zum Zeitpunkt der Schulschließungen bereits aufgenommen zu haben, jedoch hatten wir trotzdem vorgehabt, noch mindestens einen weiteren Planetarischen Nebel zu spektroskopieren, um einen Vergleich erstellen zu können. Als Herr Koch dann vorschlug, die Beobachtung digital mit ihm zusammen an seiner privaten Sternwarte im Westerwald durchführen zu können, schien dies wie die ideale Lösung. Wir würden einen noch klareren Himmel haben als hier in Wuppertal und unsere Beobachtungen trotz der andauernden Corona-Krise durchführen können. Wir waren zwar nicht physisch am Teleskop anwesend und konnten daher Dinge, wie das Ansetzen des Spektrographen, nicht selber durchführen. Dies übernahm dann unser Projektkursleiter Herr Koch. Den Großteil der Messung, also die Steuerung von Teleskopmontierung und Kamera, welche am Computer stattfindet, konnten wir mit Hilfe der App „AnyDesk“ jedoch selber übernehmen und dank einer Überwachungskamera, welche eine live-Übertragung des Teleskops ermöglichte, alles bestens mitverfolgen. Wir nutzten also mehrere sternenklare Nächte in Folge, um unsere Arbeit zu erweitern, während wir über das Online-Kommunikationsprogramm „Skype“ weiterhin, trotz der räumlichen Entfernung zueinander, in Kontakt bleiben und uns austauschen konnten. Schlussendlich ist es natürlich immer noch etwas Anderes, selber neben dem Teleskop stehen zu können und dieses bei den Aufnahmen direkt zu begleiten, als im Warmen daheim am Computer zu sitzen und zu wissen, dass alles irgendwo gerade passiert. Nichtsdestotrotz war diese Methode, angesichts der aktuellen Lage, die optimale Alternative, um weiterhin Astronomie betreiben zu können, und letztendlich erhielten wir auch äußerst zufriedenstellende Resultate.“

Adrian Groh und Ashraf Lutfi (Projektkurs Astronomie Q1)

Die Wolkenhülle des „Abendsterns“ – Videografie des Planeten Venus im ultravioletten und infraroten Licht

Venus ist unser nächster Nachbarplanet, umhüllt von einer dichten, heißen Teibhausatmosphäre aus überwiegend Kohlendioxid. Gleißend hell steht die Venus derzeit am Abendhimmel, nach Sonne und Mond das hellste Himmelsobjekt. Ideal für ein Schülerprojekt in diesen Wochen.

Karim El Ouaamari ist Schüler des Projektkurses Astronomie am Gymnasium Kothen, Wuppertal, unter der Leitung von Physiklehrer Sven Römer. Karim hatte das Pech, dass seine für Februar/März diesen Jahres geplante Venusbeobachtung und Teilnahme am Spektroskopiekurs ausfiel: Zuerst wegen des schlechten Wetters im Februar, und dann wegen der Schulschließung ab Mitte März.

Karim hat mein Angebot, die fotografischen Beobachtungen remote mit meinem heimischen Teleskop vorzunehmen, gerne angenommen. Nachdem ich am 24. April eine WhatsApp von Karim erhielt, öffnete ich meine Sternwarte und gerade mal eine halbe Stunde nach Aufnahme des Kontakts steuerte Karim meine Videokamera per AnyDesk und nahm die Videos auf. Das Seeing war aufgrund der durchziehenden Wolken nicht optimal, aber mit Hilfe der Videotechnik ist es möglich, aus einem Strom von Bildern die schärfsten Frames herauszufischen und zu einem guten Ergebnis zu verarbeiten.

Wetter zum Zeitpunkt der Videoaufnahmen. (c) meteoblue

Karim schreibt: „Corona schränkt uns vielleicht ein aber nicht die Astronomie. Vom globalen Stillstand sind zurzeit auch Schulen betroffen, doch das hält mich dank Herrn Koch nicht davon ab, Aufnahmen von der Wolkenülle der Venus zu machen. Noch am selbem Tag als ich ihm geschrieben habe, haben wir dann geskyped. Über dem Programm AnyDesk konnte ich auch auf sein Teleskop zugreifen, es steuern und mit seiner Hilfe auch die Aufnahmen machen.“

Anschließend verarbeiteten wir interaktiv die Videos mit der Software Autostakkert! und schärften mit Giotto nach. Mit dem Ergebnis, dass auf dem UV-Bild der Venus hell/dunkel-Wolkenstrukturen herausgearbeitet werden konnten.

Protuberanzen, leuchtende Plasmabögen am Sonnenrand

Auch in Zeiten niedriger Sonnenaktivität, die sich durch eine geringe Zahl oder gar Tage bis wochenlanges Ausbleiben von Sonnenflecken zeigt, lohnt es sich, auf die Sonne zu schauen. Genauer gesagt, auf den Sonnenrand. Der Blick geht in die über der Photosphäre liegende, nur rund 2.000 Kilometer dicke Chromosphäre der Sonne. Die Temperatur liegt dort mit 10.000K und mehr weitaus höher als in der 5.778K heißen Photosphäre. Die Chromosphäre ist im Bild als dünner Lichtsaum zu erkennen. Durch magnetische Wechselwirkungen und Strahlungsheizung wird der Wasserstoff zum typischen H-alpha-Leuchten angeregt.

Ob es sich lohnt, an das Teleskop zu gehen, kann man vorher ermitteln mit einem Blick auf diese Webseite des Kanzelhöhe Obervatoriums.

Johannes Heinemann schreibt:

„Im Zuge meiner Master-Thesis zum Thema Sonnenbahn und Tagbogen unseres Muttergestirns wollte ich gerne einige Aufnahmen der Sonne im Theorieteil einbinden. Da die Sternwarte am CFG durch die besondere Situation natürlich geschlossen bleiben muss, bot mir Herr Koch die Gelegenheit, an seiner privaten Sternwarte die Aufnahmen per Internet, Computer, Skype und Anydesk zu machen. So gelang es mir am 22.04.2020 einige Bilder der Sonnenoberfläche und einer Protuberanz zu schießen. Außerdem konnten wir einen Vogel , der sich später als metallern und sehr groß – ein Flugzeug-, durch das Bild fliegen sehen (https://www.schuelerlabor-astronomie.de/astroblog/). Trotz des besonderen Zustandes zur Zeit ist es gelungen, eigenhändig Astro-Aufnahmen zu machen und mit der heutigen Technik diese über eine weite Distanz durchzuführen. Durch die Kommunikation über den Video-Call wurden alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten und dennoch war das Teleskop nicht weiter als eine Armlänge entfernt. Über Anydesk konnte ich das Teleskop weitestgehend alleine steuern, auch wenn es natürlich nicht möglich war, selbstständig die Montage zu verändern. Abschließend kann ich mich nur sehr bei Herrn Koch für die Möglichkeit und die Hilfe bedanken und die Remote-Astronomie jedem nur wärmstens zu empfehlen.“

Die Aktive Region AR 2760 auf der Sonne

von Johannes Heinemann, 26.4.2020

Dieses Mal kam die Beobachtung sehr spontan zu Stande. Nachdem ich bei der Sichtung der Sonne mittels des Live-Bilds des Kanzelhöhen-Observatoriums ein Fleck ausgemacht hatte, und Herr Koch glücklicherweise an diesem Tag auch Zeit für eine weitere Remote-Beobachtung hatte, konnten wir mit den Aufnahmen starten. Die kleine Sonnenfleckengruppe konnten wir sowohl im H-Alpha als auch im Kontinuum hervorragend aufnehmen. Außerdem zeigte sich eine Protuberanz, die ebenfalls sehr gut auf den Bildern zur Geltung kommt

Der Kugelsternhaufen Messier 3

Sehr erfreut hatte mich eine Anfrage der beiden CFG-Abiturienten des Jahrgangs 2019, Hendrik Tackenberg und Henri Wagner. Sie zählten in den letzten Jahren zu meinen Aktivposten in der Astronomie am CFG, fertigten ihre Projektarbeit und Besondere Lernleistung mit einem astronomischen Thema an. Und sie nahmen erfolgreich am Wettbewerb Jugend forscht 2019 teil. Nun wollten die beiden vor Aufnahme eines Physikstudiums im Herbst 2020 noch ein Astroprojekt starten. Wir suchten uns den Kugelsternhaufen Messier 3 aus, der eine spezielle Gruppe von Veränderlichen Sternen enthält, die RR Lyrae-Sterne. Mittels photometrischer Langzeitmessungen kann beispielsweise die Entfernung des Sternhaufens ermittelt werden. Die Auswertung der umfangreichen Daten wird zu gegebener Zeit hier publiziert.

Nach einem Einführungsabend zur Steuerung meiner Sternwarte haben Hendrik und Henri am 22./23.4.2020 vom 22 bis 2 Uhr meine Teleskope und Kameras remote bedient, hier das Dashboard:

Henri Wagner schreibt:

„Remote Astronomie in einer Corona-Welt: Kugelsternhaufen-Fotografie von Zuhause.

Es gibt nichts, was einen besser von der Vereinzelung der Welt ablenken könnte, als der Himmel selber. Dies erfuhren wir, nachdem wir unseren (ehemaligen) Lehrer der Astronomie, Bernd Koch, nach einer Möglichkeit fragten, an einem astronomischen Projekt teilzunehmen. Während wir via Skype konferierten, durften wir mit AnyDesk sein privates Teleskop steuern. Thematisch auf unsere Besondere Lernleistung aufbauend, fiel die Themenwahl auf die Beobachtung pulsationsveränderlicher Sterne in einem Kugelsternhaufen. Das sollte uns einige, durch den fehlenden Flugverkehr erstaunlich klare Nächte ohne Kondensstreifen beschäftigen, in denen uns Bernd Koch zu jeder Minute zur Seite stand – als, wie er so nett betonte „Forschungskollegen“.

Es tut gut zu lernen und zu forschen, gerade in diesen Zeiten, ohne ständig den Atem der Schule im Nacken zu spüren oder auch nur eine Bewertung zu beabsichtigen. Für uns war es ein Einblick in die Wissenschaft.

Wir widersprechen den Worten Herrn Kochs zu Beginn: Für uns war der Weg in den Himmel noch nie so leicht.“

Henri Wagner

Hendrik Tackenberg schreibt:

„Für mich begann dieses Jahr mit der Vorfreude auf ein dreimonatiges Praktikum bei der ESO in Chile. Das Ziel des Praktikums war es zu prüfen, ob anhand der lokalen Winddaten kurzfristige Vorhersagen für den Verlauf des Seeing zu treffen sind. Nach bereits zwei Wochen wurde dann aufgrund der fortschreitenden Pandemie Home-Office angeordnet, sodass sich meine Chancen sowohl Menschen als auch das Land kennen zu lernen auf ein Minimum schmälerten. Aufgrund der Einreisesperren und Flugstreichungen musste ich Chile leider nach weniger als einem Monat frühzeitig verlassen. Glücklicherweise kann ich jedoch das Praktikum auch von Deutschland aus fortführen. Parallel kamen Henri und ich auf die Idee, ein weiteres neues Projekt aufzugreifen, um die unfreiwillige Pause gebührend zu füllen.

Mich freut es, dass wir die Möglichkeit haben, mit Hilfe von Remote-Astronomie auch im Moment weiterhin Astronomie betreiben zu können. Im weiteren Sinne definiert sich schließlich sowohl die stetige Hürde als auch der Reiz der Astronomie gerade in der Überwindung von Distanzen.“

Hendrik Tackenberg

Die stürmische Sonne: Protuberanzenbeobachtung im H-alpha-Licht

Sterne gucken am Tage? Ja klar, denn unsere Sonne ist ja auch nur ein Stern, wie Hundertmilliarden andere in unserer Milchstraße. Die Sternwarte des Schülerlabors Astronomie ist für Kurse zur Sonnenbeobachtung mit sechs Spezialfiltern ausgestattet, mit denen wir unseren Kursteilnehmern einen besonderen Blick auf die Sonne gewähren können: Auf die Sonnenstürme, die ihrerseits große Auswirkung auf die Erde haben. Ein sogenannter H-alpha-Filter ermöglicht die Beobachtung und Videografie der Protuberanzen am Sonnenrand.

Lehramtsstudierende Gianna Praum von der Bergischen Universität Wuppertal hätte gerne diese ungewöhnliche Schönwetterperiode ausgenutzt, um an der Sternwarte des CFG Wuppertal eigenständige Beobachtungen der Sonne durchzuführen. Das Corona-Kontaktverbot verhinderte dies. Um dennoch Videos der Sonnenoberfläche für ihre Bachelor-Arbeit zu erhalten, ermöglichte ich Gianna Praum den Zugriff auf mein Sonnenteleskop. Per Skype und AnyDesk. Den Sonnenfilter hatte ich vorsorglich vom CFG ausgeliehen…

Sonnenprotuberanz am 2. April 2020, von 10:08:13 UT bis 10:10:13 UT. Astro-Physics 130mm f/6. Abgeblendet auf 115mm Öffnung, Öffnungsverhältnis f/27. SolarSpectrum H-alpha-Filter, Durchlassbreite 0,5Å. Videokamera TIS DMK41. Eingeblendet ist oben links die Uhrzeit in Weltzeit (UT). Das Video zappelt aufgrund von Wind und Seeing (Luftunruhe). Die Aufnahmesoftware FireCapture stabilisiert die Protuberanz während der Aufnahme. Video: Bernd Koch

„Ich schreibe momentan an meiner Bachelorarbeit in Physik über ein Phänomen in der Astronomie. Durch die Hilfe von Herrn Koch konnte ich heute trotz der Umstände durch das Virus eine Sonnenbeobachtung durchführen, die ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist. Dies funktionierte glücklicherweise ohne Probleme. Wir haben über Skype miteinander gesprochen und mithilfe des Programms AnyDesk konnte ich an seinem Desktop die nötigen Einstellungen für das Teleskop sowie die Aufnahme und ähnliches tätigen. Durch eine Kamera konnte ich das Teleskop selbst sehen und durch die andere, welche am Teleskop angeschlossen war, dementsprechend die Beobachtung bzw. die Sonne. Dadurch, dass ich das Teleskop auch sehen konnte, wurde noch mehr Nähe zum Geschehen erzeugt. Ich habe dieses Angebot dankend angenommen und bin froh, dass es so eine Möglichkeit gibt. Diese Chance kann jedoch nur genutzt werden, wenn man spontan ist und jederzeit bereit und offen für eine Beobachtung. Allerdings ist dies auch notwendig für eine Beobachtung an der Sternwarte selbst. Außerdem sollen wir durch das Virus ja sowieso alle zu Hause bleiben, also bestehen die besten Bedingungen. Ich fand es sehr spannend, wie das Programm funktioniert, da man nur eine Adresse eingeben muss und sich so mit allen möglichen Sternwarten koppeln kann. Mir hat die Erfahrung sehr viel Spaß gemacht das Teleskop steuern zu können und man fühlt sich als hätte man seine eigene kleine Sternwarte. Natürlich ist es ein ganz anderes Gefühl, wenn man selbst am Teleskop steht und nicht nur vor dem Laptop sitzt. Aber in diesen Zeiten finde ich es eine sehr spannende und tolle Alternative! Vielen Dank nochmal Herr Koch.“

Gianna Praum, Studierende für das Lehramt an der Bergischen Universität Wuppertal

Der „Supermond“ am 7. April 2020

Die häufigen Hochdruckwetterlagen seit Mitte März bescheren uns Astronomen ungewöhnlich viele trockne, klare Nächte. Der stark eingeschränkte Flugverkehr trug dazu bei: Der Himmel war wegen fehlender Kondensstreifen, die normalerweise zur Bildung von Zirruswolken führen, zumeist tiefblau.

An den Abenden des 6. und 7. April nutzten die beiden Schülerinnen Nadine Bratek und Greta Hollender (Projektkurs Astronomie Q1) den überaus klaren Blick auf den Mond, um weitere Aufnahmen für ihre Projektarbeit zum Thema Mond anzufertigen. Sie nahmen das Angebot an, den apochromatischen 130mm-Refraktor von Bernd Koch dafür einzusetzen und von Wuppertal aus per remote control fernzusteuern. In WhatsApp bildeten wir eine kleine Gruppe und verabredeten den Beginn einer Skype-Konferenz für 22 Uhr. Am 6.4. steuerte Greta Hollender das Remote-Teleskop, am 7.4. Nadine Bratek. Dazu verwendeten wir AnyDesk. Die Aufnahmen mit einer Canon EOS450Da erfolgten mit dem Canon-Steuerprogramm EOS Utility.

„Astronomie trotz Corona? Ob Sie es glauben oder nicht, ja! Für die Projektarbeit mussten wir noch Bilder des Mondes fotografieren.
Dank der Hilfe und gemeinsamen Arbeit von Herr Koch konnten wir mit Hilfe der App AnyDesk doch noch ein paar Schnappschüsse machen. Diese funktioniert ganz einfach von Zuhause, und kommuniziert wurde währenddessen über Skype. Zur groben Steuerung der App kann man sagen, dass man durch sie die Funktionen auf einem anderen Computer übernehmen kann. In dem Fall auf dem von Herrn Koch. So hatten wir die Möglichkeit, auf das Teleskop und dessen Funktionen wie Steuerung, Zoom, Scharfstellung und Fotografie zuzugreifen.
Mit großem Erfolg, denn die Bilder sind scharf und das Vorgehen dazu war super“.

Greta Hollender und Nadine Bratek, Projektkurs Astronomie 2020 in der Stufe Q1

Der Mond wurde in zwei Etappen abgelichtet. Zunächst wurde die Brennweite so gewählt, dass der Mond vollständig abgebildet werden konnte. Der Vollmond war richtig hell: Das folgende Bild zeigt das Ergebnis einer Einzelbelichtung von 1/1000 Sekunde.

Warum nannte man diesen Vollmond landläufig „Supermond“? Der Mond umkreist die Erde auf einer elliptischen Umlaufbahn. In Erdnähe (Perigäum) betrug die Distanz zum Vollmond (am Morgen des 8. April) diesmal nur rund 357.000 Kilometer. Ein erdferner Vollmond im erdfernsten Punkt (Apogäum) kann bis zu 406.700 Kilometer entfernt sein.

Nun fehlt dem Betrachter der entsprechende direkte Größenvergleich dieser beiden extreme, zumal der Mond in Horizontnähe sowieso immer größer erscheint, als wenn er hoch am Himmel steht. Sehen wir den Mond und den Erdhorizont, so täuscht uns unser Gehirn, indem es den Mond näher (und größer) empfindet, als er eigentlich ist.

Die nächste Etappe bestand darin, den Mond in Ausschnitten aufzunehmen.

Rendezvous von Mond und Venus am Abendhimmel am 25. April 2020

Zweieinhalb Tage nach Neumond stand die schmückte die Mondsichel dekorativ den kristallklaren Abendhimmel. Und mit zunehmender Dunkelheit wurde auch das schwache Erdlicht auf dem Mond sichtbar. „Erdlicht“ deshalb, weil die von der Sonne beschienene Erdatmosphäre einen Teil des Lichts auf den Mond reflektiert, welches von dort zu uns zurückgeworfen wird.

Nadine Bratek und Greta Hollender aus dem CFG-Projektkurs Astronomie der Q1 fotografierten die Mondsichel für ihre Projektarbeit zum Thema Mond und Mondphasen.

Mutter Ziege und ihre sieben jungen Geißlein am Himmel als Mutmacher in der Corona-Krise

Die „Corona-Ferien“ geben vielen Familien die Zeit, alte Geschichten und Märchenbücher hervorzukramen, die man ja immer schon seinen Kindern erzählen oder vorlesen wollte. Und ein Tiermärchen aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm findet in diesen Tagen seinen Anfang am Sternenhimmel: Die Geißenmutter muss das Haus verlassen und gibt ihren sieben Geißlein auf, während ihrer Abwesenheit niemanden ins Haus zu lassen.

Haben Sie das Märchen erkannt?

Es handelt sich um das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“, ein altes babylonisches Sternenmärchen, das mein Sohn David und ich natürlich „live“ am Himmel erleben wollten. Bei geschlossener Schule und Sternwarte fragten wir, David und Michael Winkhaus, bei Bernd Koch an, ob wir uns nicht „digital“ an seiner Gartensternwarte treffen können, um den Beginn dieses Märchens am Himmel miterleben und fotografieren zu können. Und Bernd Koch sagte zu und so trafen wir uns am 2.4, 3.4. und 4.4. in den Abendstunden und durften von unserem PC zu Hause das Teleskop und die Kamera in seiner Gartensternwarte übers Internet fernsteuern. Die Protagonisten unserer abendlichen Beobachtungen waren die Venus als Mutter Ziege bei ihren sieben Geißlein, also in den Plejaden (seit Menschengedenken als „Siebengestirn“ bekannt), und der Mond als Wolf, der sich schon auf den Weg zur Hütte der Geißleins macht.

Das Erlebnis war grandios und wir waren uns per Skype und AnyDesk trotz einer Entfernung von knapp 130 Auto-Kilometern so nah, als ob wir nebeneinander sitzten.

Nun aber zum aktuellen Märchen am Himmel:

Die Geißenmutter muss das Haus verlassen und ermahnt ihre sieben Geißlein, bloß niemanden ins Haus zu lassen, vor allem nicht den bösen Wolf, der sie auffressen würde.

Genau diesen Anfang der Geschichte konnte man in den ersten Apriltagen am Himmel verfolgen, und hier sind unsere Fotos vom 2.4., 3.4. und 4.4.2020 dazu:

An diesen drei Abenden haben wir also miterlebt, wie die Venus durch die Plejaden hindurchzieht und sie letztlich verlässt. Was man Himmel bereits ahnen kann: Der Wolf in Gestalt des Mondes hat sich bereits auf den Weg gemacht. Noch steht er am 2.4. vor der Venus und zeigt sich in der harmlosen Halbmondgestalt, die wir natürlich auch im ferngesteuerten Modus fotografieren konnten.

Aber der Mond-Wolf hat schon den Plan ausgedacht, die Plejaden-Geißlein in Abwesenheit der Mutter Ziege zu überlisten und aufzufressen. Mit einem Blick in die Zukunft dank der Planetariumssoftware Stellarium können wir diese böse Absicht bereits nachprüfen und es bleibt kein Zweifel: Schaut man sich den Himmel am 25.4.2020 um 7 Uhr morgens an, dann sieht man die Bedrohung der Plejaden durch den heraneilenden Mond.

Aber keine Sorge: Der Mond wird die Plejaden in diesem Jahr nicht fressen, denn die sieben Geißlein verhalten sich richtig und lassen den Wolfsmond nicht hinein. Nehmen wir das doch als gutes Omen und himmlisches Zeichen, dass wir die Bedrohung durch das Corona-Virus durch vorsichtiges Verhalten auch erfolgreich abwehren werden. In diesem Sinne ist diese aktuelle himmlische Geschichte nicht nur ein Beispiel für funktionierendes Homeschooling, sondern auch ein Mutmacher, dass wir die aktuelle Krisenzeit bewältigen werden.

Text und Bilder: Michael Winkhaus mit Sohn David und Bernd Koch

Galaxienfotografie bei (fast) vollem Mond

Gewiefte Astrofotografen wissen, dass die sogenannten Deep-Sky-Objekte – zu denen auch die Galaxien gehören – nur bei dunklem Himmel ihre volle Pracht entfalten können. Eigentlich ignoriert man sie bei noch fast vollem Mond. Außer, man erhält den Impuls, es doch trotzdem mal zu versuchen. Und dieser Impuls kam am 9. April 2020 von Colin Thiel, 16 Jahre alt und Schüler des Westerwald-Gymnasiums in Altenkirchen/Westerwald. Colin hat erst vor zwei Jahren mit der Astronomie und Astrofotografie begonnen und erstellt auf seinem Balkon mit einem transportablen Teleskop (astromodifizierte Canon EOS 6Da an 115mm Apo von Teleskop-Service auf Celestron AVX-Montierung) mittlerweile ausgezeichnete Bilder der schönsten Deep-Sky-Objekte.

Ich lud Colin per Skype zur Konferenz und Teilnahme an einer Astrofotografiesitzung in meiner Sternwarte ein. Colin wohnt nur drei Kilometer von meiner Sternwarte entfernt – in Corona-Zeiten persönlich unüberbrückbar. Und als ich Colin fragte, welches Himmelsobjekt auf seiner persönlichen Wunschliste stünde, antwortete er: NGC 3718. Ein kurzer Blick in Stellarium zeigte: eine gute Wahl. Das Objekt ging durch den Zenit und war weit genug entfernt vom hell leuchtenden Mond. Zudem war der Himmel extrem klar, so dass wir daran gingen, die Luminanzaufnahmen von NGC 3718 anzufertigen.

Colin Thiel schreibt dazu:

„Durch die verschärfte Lage von Corona werden viele Möglichkeiten, die man sonst im Alltag macht, stark eingegrenzt. Dazu gehört aber nicht das Bedienen seiner eigenen Teleskope oder über remote. Da wir zurzeit schönes Wetter haben, trifft es sich sehr gut, abends das Teleskop mit Freunden oder Bekannten mittels Remote zu steuern. Dies haben Herr Koch und ich auch heute Abend, vom 09.04 auf den 10.04, an seiner Privatsternwarte in Sörth, gemacht. Es hat super funktioniert und es sind auch sehr gute Bilder von dem Kometen C/2019Y4 ATLAS und von NGC 3718 entstanden. Mittels Skype, Remote Control und eigenen Teleskopen kommt man gut durch die Corona-Zeit.“

Colin Thiel, Schüler der Stufe 10 des Westerwaldgymnasiums, Altenkirchen